Die passwortlose Authentifizierung wird immer wichtiger, da Cyberangriffe und Datendiebstahl zunehmen. Zwei entscheidende Technologien in diesem Bereich sind WebAuthn und FIDO2, die Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit verbessern. Doch was unterscheidet die beiden Ansätze, und welche Vorteile bieten sie für Unternehmen und private Nutzer?
Zentrale Punkte
- WebAuthn ist ein vom W3C entwickelter Standard für sichere Web-Authentifizierung mittels Public-Key-Kryptographie.
- FIDO2 ist ein umfassender Standard der FIDO Alliance, der WebAuthn und das CTAP-Protokoll kombiniert.
- Sicherheitsvorteile durch Biometrie und Hardware-Sicherheitsmodule verhindern Phishing und Passwortdiebstahl.
- Hohe Kompatibilität mit modernen Browsern, Betriebssystemen und Mobilgeräten.
- Zukunftsperspektiven zeigen eine klare Richtung hin zu passwortlosen Lösungen in Unternehmen und Privatanwendungen.

WebAuthn: Sichere Authentifizierung ohne Passwörter
WebAuthn ermöglicht Benutzern die verlässliche Anmeldung auf Websites mittels Public-Key-Kryptographie. Dabei wird ein Schlüsselpaar erstellt: Der private Schlüssel verbleibt auf dem Gerät, während der öffentliche Schlüssel an den Webdienst übermittelt wird. Angriffe wie Phishing sind dadurch wirkungslos, da kein Passwort abgefangen werden kann.
WebAuthn wurde 2019 vom W3C als Standard veröffentlicht. Es ist mit gängigen Browsern wie Chrome, Firefox, Safari und Edge kompatibel. Nutzer können sich mit biometrischen Merkmalen (z. B. Fingerabdruck, Gesichtserkennung) oder Hardware-Sicherheitsschlüsseln anmelden. Diese Methoden bieten ein hohes Maß an Komfort, da sie auf natürliche und leicht anwendbare Sicherheitsmerkmale zurückgreifen. Gleichzeitig wird die Einstiegshürde für potenzielle Angreifer deutlich erhöht, da biometrische Daten und physische Sicherheitsmodule sehr schwer zu duplizieren oder zu manipulieren sind.
Neben den klassischen Anwendungsszenarien im Webumfeld setzen immer mehr Unternehmen WebAuthn auch zur internen Absicherung ein. Beispielsweise können Mitarbeitende ihre Zugänge zu internen Portalsystemen oder Cloud-Anwendungen passwortlos gestalten. Dies hat nicht nur den Vorteil, dass Support-Aufwände für vergessene Passwörter minimiert werden, sondern dass auch die Compliance-Anforderungen in Bezug auf den Schutz sensibler Daten leichter umgesetzt werden können.
Ein häufig diskutierter Aspekt bei WebAuthn ist die Frage, wie sich die neue Technologie in bestehende Multi-Faktor-Authentifizierungssysteme (MFA) einfügen lässt. Tatsächlich lässt sich WebAuthn sehr gut als Bestandteil bestehender MFA-Konzepte nutzen. So kann das biometrische Merkmal beispielsweise als zweiter Faktor neben einem Einmalcode (z. B. aus einer Authenticator-App) eingesetzt werden, was die Sicherheit zusätzlich erhöht. In vielen Fällen kann ein vollständig passwortloses Login mit WebAuthn aber den traditionellen zweiten Faktor ersetzen, da es bereits ein starkes Authentifizierungsverfahren darstellt.
FIDO2: Der übergreifende Standard
FIDO2 geht über WebAuthn hinaus und umfasst zusätzlich das CTAP-Protokoll (Client to Authenticator Protocol). Dadurch können externe Authentifikatoren wie Sicherheitsschlüssel oder mobile Geräte verwendet werden. FIDO2 ist vor allem für Unternehmen eine ideale Lösung zur Umsetzung einer sicheren und einfachen Anmeldung.
Viele Organisationen setzen auf FIDO2, um Sicherheitsrisiken durch gestohlene Zugangsdaten zu minimieren. Der Standard wird von Betriebssystemen wie Windows, macOS, Android und iOS unterstützt, was eine breite Akzeptanz ermöglicht. CTAP erweitert die Funktionalität von WebAuthn vor allem durch die Möglichkeit, dass sich Benutzende auch über Hardware-Token, drahtlose Verbindungsmöglichkeiten oder NFC einloggen können. Dies erleichtert das Zusammenspiel zwischen unterschiedlichen Gerätetypen, was für global tätige Firmen oder solche mit einem hohen Anteil an mobilen Arbeitskräften besonders relevant sein kann.
Neben der Kompatibilität spielt auch die Zukunftssicherheit von FIDO2 für viele IT-Abteilungen eine große Rolle. Da sowohl internationale Unternehmen als auch namhafte Hersteller die Standards maßgeblich mit vorantreiben, kann davon ausgegangen werden, dass sich FIDO2 als neuer Branchenstandard etabliert. Dies reduziert langfristig den Migrationsaufwand für IT-Teams, die ihre Systeme auf passwortlose Optionen umstellen möchten, da die Weiterentwicklung des Protokolls auf einer breiten Basis voranschreitet und regelmäßig Sicherheitsupdates sowie Erweiterungen erhält.
Ebenso ist die Offenheit des Standards ein Vorteil: Durch die gemeinschaftliche Entwicklung innerhalb der FIDO Alliance und die Einbindung des W3C entsteht eine Plattform, die von unterschiedlichen Unternehmen und Organisationen getragen wird. Dies reduziert das Risiko einer proprietären „Insellösung“ und führt zu besserer Interoperabilität zwischen unterschiedlichen Systemen und Geräten.

Hauptunterschiede zwischen WebAuthn und FIDO2
Kriterium | WebAuthn | FIDO2 |
---|---|---|
Standardisierung | W3C-Standard für Web-Authentifizierung | FIDO Alliance-Standard mit zusätzlicher CTAP-Spezifikation |
Authentifizierungsverfahren | Biometrie, PIN oder Sicherheitsschlüssel | Unterstützt auch externe Authentifikatoren |
Unterstützte Geräte | Computer und Mobilgeräte mit kompatiblen Sensoren | Zusätzlich externe Sicherheitsschlüssel und Smartcards |
Sicherheit | Hohe Sicherheit durch Public-Key-Kryptographie | Erweiterte Sicherheit durch CTAP-Protokoll |
Praktische Anwendungsszenarien
Unternehmen und Privatnutzer profitieren gleichermaßen von WebAuthn und FIDO2:
- Unternehmen: Verhindert Phishing-Angriffe, reduziert IT-Support-Anfragen zu vergessenen Passwörtern.
- Endverbraucher: Kein Merken und Eingeben von Passwörtern erforderlich, erhöhten Komfort.
- Entwickler: Einfache Integration in Web-Apps durch standardisierte APIs.
Darüber hinaus ergeben sich noch weitere Anwendungsfälle. In hochsensiblen Bereichen wie dem Finanz- oder Gesundheitswesen, wo der Schutz persönlicher Daten oberste Priorität hat, können WebAuthn und FIDO2 für besonders geschützte Zugänge sorgen. Auch für öffentliche Verwaltungen und E-Government-Lösungen sind passwortlose Authentifizierungsverfahren interessant, da sie Bürgern den sicheren Zugriff auf Online-Dienste ermöglichen und den Verwaltungsaufwand beim Ausstellen und Zurücksetzen von Passwörtern verringern.
Ein weiteres Anwendungsszenario ist der Bereich IoT (Internet of Things). Mit zunehmender Vernetzung von Geräten stellen sich neue Sicherheitsfragen, da viele Geräte im Smart-Home- oder Industrie-4.0-Bereich sensible Daten verarbeiten oder kritische Prozesse steuern. Eine sichere und dennoch leicht bedienbare Authentifizierung nach dem FIDO2- bzw. WebAuthn-Standard kann hier die Basis für ein umfangreicheres Identitätsmanagement legen, um Manipulation oder unbefugten Zugriff zu verhindern.

Integration in moderne IT-Landschaften
Viele Unternehmen kombinieren FIDO2 und WebAuthn mit bestehenden Identitätsmanagement-Lösungen. Dies verbessert nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Benutzerfreundlichkeit. Cloud-Plattformen setzen verstärkt auf diese Standards, um nahtlose Anmeldeverfahren zu ermöglichen.
Die Einbindung in Single-Sign-On-Systeme (SSO) ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Unternehmen, die bereits eine zentrale Anmeldung zu verschiedenen Anwendungen anbieten, können die bestehende Architektur durch die passwortlose Authentifizierung erweitern. Dies schließt auch hybride Szenarien ein, in denen ein Teil der Infrastruktur on-premises und ein anderer Teil in der Cloud betrieben wird. Die wichtigste Herausforderung dabei ist meist, sicherzustellen, dass alle Komponenten innerhalb dieses Ökosystems reibungslos zusammenarbeiten und die Sicherheitsrichtlinien konsistent durchgesetzt werden.
Ein weiterer Vorteil der modernen Authentifizierungslösungen liegt in der Skalierbarkeit. Da FIDO2 und WebAuthn von vornherein auf eine große Nutzerzahl ausgelegt sind, erweist sich die Einführung nicht nur für kleine und mittlere Unternehmen als praktikabel, sondern auch für Großkonzerne. Die Anpassung an unterschiedliche Berechtigungskonzepte und Rollenmodelle ist relativ unkompliziert und lässt sich mit bereits existierenden Gruppen- oder Zugriffsrichtlinien verknüpfen.
Zudem ist das Thema Auditing von wachsender Bedeutung: Viele Regulierungsbehörden fordern detaillierte Nachweise darüber, wer wann auf welche Daten zugegriffen hat. Durch das eindeutige Koppeln eines Hardware-Authentikators oder biometrischen Merkmals an einen bestimmten Nutzer wird das Identitätsmanagement deutlich transparenter. Dies erleichtert es, Revisionen oder forensische Untersuchungen durchzuführen, wenn doch einmal ein Sicherheitsvorfall auftreten sollte.
Passkeys: Die Zukunft der Authentifizierung
Ein neuer Trend im Bereich Sicherheit sind sogenannte Passkeys. Diese basieren auf WebAuthn und ermöglichen passwortlose Anmeldungen, die mit verschiedenen Geräten synchronisiert werden können. Apple, Google und Microsoft treiben diese Entwicklung aktiv voran.
Passkeys wurden eingeführt, um die Nutzererfahrung gerade im privaten Umfeld weiter zu vereinfachen. Anstatt mehrere unterschiedliche Passwörter oder gar verschiedene physischen Hardware-Token zu verwenden, können Nutzer auf allen Geräten, die mit einem gemeinsamen Account (z. B. iCloud, Google-Konto) verknüpft sind, dieselben Passkeys verwenden. Die sensiblen Daten werden dabei verschlüsselt in der jeweiligen Cloud-Infrastruktur gespeichert und über sichere Mechanismen zwischen den Geräten synchronisiert.
Dieser Ansatz hat für Endanwender den Vorteil, dass der Einrichtungsprozess denkbar einfach ist. Man muss sich lediglich einmalig an einem Gerät authentifizieren und kann danach auf anderen Geräten, nach einer entsprechenden Freigabe, denselben Passkey nutzen. Damit diese Neuerung langfristig erfolgreich ist, muss allerdings sichergestellt werden, dass weder die Cloud-Anbieter noch potenzielle Angreifer die privaten Schlüssel auslesen können. Entsprechende Sicherheitskonzepte setzen meist auf eine Kombination aus Geräteverschlüsselung und sicheren Hardware-Komponenten.
Unternehmen, die Passkeys einsetzen möchten, können dabei auf die gleichen Sicherheitsprinzipien setzen, die auch bei FIDO2 und WebAuthn den Kern bilden. Tatsächlich stellen Passkeys nur eine anwenderfreundlichere Ausprägung des FIDO2-Standards dar, die das Handling für den Alltag vereinfacht. Daher sind Passkeys und FIDO2 eng miteinander verwoben und ergänzen sich in vielen Anwendungsfällen.

Sicherheitsvorteile gegenüber traditionellen Passwörtern
WebAuthn und FIDO2 bieten signifikante Sicherheitsvorteile gegenüber traditionellen Methoden. Da Passwörter oft wiederverwendet oder zu einfach gewählt werden, sind Login-Daten leicht durch Phishing oder Datenlecks angreifbar. Mit FIDO2 entfällt diese Schwachstelle vollständig.
Ein weiterer Punkt ist die Vermeidung des sogenannten Credential-Stuffings. Bei dieser Angriffsmethode nutzen Cyberkriminelle geleakte Daten aus verschiedenen Quellen, um sich in fremde Accounts einzuloggen. Da das herkömmliche Passwort entfällt und stattdessen ein einzigartiges Schlüsselpaar verwendet wird, funktioniert dieses Vorgehen in einer FIDO2- oder WebAuthn-gesicherten Umgebung nicht mehr.
Auch sind neue Angriffsvektoren, die sich auf biometrische Daten richten, nicht gänzlich auszuschließen. Dennoch ist das Sicherheitsniveau insgesamt deutlich höher als bei Geheimnissen, die oft nicht ausreichend komplex sind oder an mehreren Stellen wiederverwendet werden. Biometrische Daten in Kombination mit sicherer Hardware (z. B. Trusted Platform Module, kurz TPM) oder entsprechenden Sicherheitschips auf Smartphones stellen eine zusätzliche Barriere für Angreifer dar. Selbst wenn ein Telefon verloren geht, ist der biometrische Faktor geschützt und kann nicht ohne Weiteres geklont werden.
Darüber hinaus werden die sensiblen Informationen weitgehend auf dem Endgerät verwaltet, anstatt sie auf zentralen Servern zu speichern, die angegriffen werden könnten. Das Prinzip der Public-Key-Kryptographie, das WebAuthn und FIDO2 zugrunde liegt, hebt damit den Sicherheitsansatz auf eine Ebene, bei der selbst umfangreiche Datenlecks keine gespeicherten Passwörter offenbaren. Dies entlastet Unternehmen hinsichtlich Compliance- und Sicherheitsanforderungen enorm und kann kostspielige Schäden durch Passwortdiebstahl verhindern.
Besonders in Branchen, in denen sich Angreifer auf Social Engineering und Betrugsmethoden spezialisieren, entfalten passwortlose Verfahren ihr volles Potenzial. Denn Angriffe über gefälschte Login-Seiten, Keylogger oder Phishing-E-Mails laufen ins Leere, wenn kein Passwort eingegeben werden muss. Dies schützt sowohl Privatanwender als auch Firmenmitarbeitende vor unbemerktem Diebstahl von Zugangsdaten.

Weitere Herausforderungen und Implementierungstipps
Obwohl FIDO2 und WebAuthn deutliche Sicherheits- und Komfortgewinne versprechen, stehen Unternehmen und Entwicklerteams bei der Implementierung oftmals vor verschiedenen Herausforderungen. Eine davon ist die Schulung der Nutzer. Mitarbeitende oder Kunden müssen davon überzeugt werden, dass Biometrie, Hardware-Token oder Passkeys sicherer und einfacher sind und nicht etwa eine zusätzliche Belastung darstellen. Eine klare Kommunikation, die Vorteile und Funktionsweisen erläutert, kann hier entscheidend sein.
Zusätzlich sollten Unternehmen prüfen, ob ihre bestehende Infrastruktur die nötigen Schnittstellen und Ressourcen bereitstellt. Je nach Szenario müssen neue Hardware-Token beschafft oder die vorhandenen Geräte aktualisiert werden, um beispielsweise NFC oder Bluetooth für mobile Authentifikatoren nutzen zu können. Auch die Browser- und Betriebssystemversionen müssen die entsprechenden Standards unterstützen. Für ältere Systeme kann dies mit zusätzlichem Migrationsaufwand einhergehen.
Für Entwickler empfiehlt es sich, zunächst eine Pilotimplementierung durchzuführen. Auf diese Weise können Anwendungen im kleinen Rahmen getestet und Feedback von Nutzern eingeholt werden, bevor ein flächendeckender Rollout erfolgt. Dabei hilft es, sowohl positive Benutzererfahrungen als auch mögliche Stolpersteine frühzeitig zu erkennen und in die Feinanpassung einzufließen. Da WebAuthn und FIDO2 standardisierte APIs haben, ist die Integration jedoch oft einfacher als bei proprietären Lösungen, die eigens entwickelt werden müssten.
Gerade bei einer internationalen Nutzerschaft ist zudem auf regionale Besonderheiten zu achten. Manche Länder haben strikte Vorgaben zur Datenspeicherung oder zum Einsatz biometrischer Merkmale. So kann zum Beispiel gefordert werden, dass bestimmte biometrische Informationen nicht außerhalb des Geräts verarbeitet werden dürfen. WebAuthn und FIDO2 erlauben in der Regel eine dezentrale Speicherung, sodass der private Schlüssel ausschließlich auf dem Gerät verbleibt. Dennoch müssen weitere Prozessketten innerhalb eines Unternehmens auf länderspezifische Anforderungen ausgerichtet sein.

Abschließende Gedanken
Die Einführung von WebAuthn und FIDO2 zeigt, dass passwortlose Authentifizierung längst keine Zukunftsmusik mehr ist, sondern bereits in vielen Systemen Anwendung findet. Unternehmen sollten jetzt auf diese Technologie setzen, um Sicherheitsrisiken zu senken und Nutzerfreundlichkeit zu erhöhen. Mit dem wachsenden Angebot an passwortlosen Lösungen – sei es per Hardware-Token, Biometrie oder modernen Passkeys – wird der Login-Prozess nicht nur sicherer, sondern auch intuitiver für die Anwender. Der Schutz vor Phishing, Credential-Stuffing und anderen Angriffsmethoden wird signifikant gestärkt, was sich in Form geringerer Ausfallkosten und reduziertem Supportbedarf bemerkbar macht.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die richtungsweisenden Technologien WebAuthn und FIDO2 eine neue Ära der sicheren und dennoch nutzerfreundlichen Zugangsverwaltung einläuten. In den kommenden Jahren ist eine stetige Weiterentwicklung zu erwarten, die passwortlose Verfahren weiter festigen und in immer mehr Bereichen zum Standard machen wird. Unternehmen und Privatpersonen, die frühzeitig auf diesen Zug aufspringen, profitieren nicht nur von einem Sicherheitsvorsprung, sondern tragen aktiv dazu bei, das digitale Ökosystem resistenter gegen Cyberangriffe zu gestalten.